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Glauben leben.
Gemeinschaft gestalten.
Geschichte schreiben.

Die Geschichte unserer Gemeinde beginnt in einer Zeit des Aufbruchs und der Neuorientierung. Nach Krieg, Flucht und Heimatverlust fanden viele Mennoniten in Espelkamp einen Ort, an dem sie Glauben und Gemeinschaft neu leben konnten. Aus kleinen Hauskreisen und Bibelstunden entstand eine lebendige Gemeinde, die über Jahrzehnte gewachsen ist und bis heute Menschen miteinander verbindet. Ihre Geschichte ist geprägt von Mut, Zusammenhalt und dem Vertrauen darauf, dass Gott auch aus schwierigen Anfängen Neues entstehen lässt.

Amerikanische Mennoniten in Espelkamp

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand in Espelkamp eine Notgemeinschaft vieler Flüchtlinge und Vertriebener. Das Mennonite Central Committee (MCC) aus Nordamerika kam, um praktische Hilfe und geistliche Ermutigung zu leisten. Neben Lebensmittelverteilungen wurden Bibelstunden, Kinderstunden und Hausbesuche angeboten. Diese Arbeit brachte Hoffnung und Orientierung in eine schwere Zeit – und legte den Grundstein für ein wachsendes Miteinander zwischen Deutschen und amerikanischen Mennoniten.

1951

Die Pax-Boys: Friedensdienst mit Hand und Herz

Im Jahr 1951 kamen junge mennonitische Amerikaner, die sogenannten Pax-Boys, nach Espelkamp, um im Geist des Friedens zu dienen. Sie halfen beim Aufbau neuer Siedlungen für Geflüchtete aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, besonders aus dem Weichseldelta um Danzig. Gemeinsam entstanden in der Weichselgasse erste Wohnhäuser und Räume der Begegnung. Besonders die Kinder im Steilhof, die ihre Eltern verloren hatten, lagen ihnen am Herzen. Ihr praktischer Einsatz und ihre Herzlichkeit ebneten den Weg für die spätere Gründung der Mennoniten-Gemeinde Espelkamp.

1951–1967

John und Grace Gingerich: Glaube, der trägt

Eine prägende Figur dieser Zeit war der amerikanische Pax-Boy John Gingerich, der mit seiner Frau Grace bis 1967 in Espelkamp lebte. Neben der Aufbauarbeit engagierte er sich besonders in der geistlichen Begleitung vieler Menschen. Er organisierte Bibelstunden, Jugendtreffen und Hausbesuche und schenkte vielen Geflüchteten neuen Mut. Gemeinsam prägten John und Grace durch ihren gelebten Glauben die Atmosphäre der jungen Gemeinde nachhaltig. Ihr Dienst steht bis heute für Herzensnähe, Tatkraft und Frieden.

Friedensdienst und gelebte Gemeinschaft

Aus der Zusammenarbeit von MCC, Pax-Boys und deutschen Mennoniten wuchs eine starke Gemeinschaft, die weit über die praktische Hilfe hinausging. Es entstand ein wertschätzendes Miteinander zwischen den verschiedenen Gruppen in der jungen Stadt. Besonders eng war die Verbindung zur evangelischen Kirche: Man besuchte gegenseitig Bibelstunden und Gottesdienste, und sogar die Kollekte zur Gründung der Martinskirche wurde teilweise der Mennonitengemeinde gespendet.

1952

Eine Gemeinde entsteht

Aus den Hilfsprojekten des Mennonite Central Committee (MCC) und der Arbeit der Pax-Boys wuchs eine feste Glaubensgemeinschaft. Mit vereinten Kräften wurde eine ehemalige Munitionshalle zu einer Kirche umgebaut – ein Symbol für Wandlung und Neuanfang. Am 21. September 1952 wurde die Mennoniten-Gemeinde Espelkamp e.V. gegründet. Die Gemeinde wurde zur geistlichen Heimat vieler mennonitischer Flüchtlinge, die nach ihrer Vertreibung aus Osteuropa in Espelkamp neue Hoffnung fanden. Der gemeinsame Glaube und das Miteinander gaben Orientierung, Kraft und ein Zuhause im Glauben.

1952

Albert Bartel

Erster Ältester der Mennoniten-Gemeinde Espelkamp

KiBi und Kinderarbeit

Ein besonderes Anliegen der Gemeinde war von Anfang an die Arbeit mit Kindern. Schon in den 1950er Jahren kamen Kinder aus der Umgebung zu regelmäßigen Kinderstunden zusammen, um zu singen, zu spielen und Geschichten aus der Bibel zu hören. Aus diesen Anfängen entwickelte sich später die Kinderbibelwoche („KiBi“), die über viele Jahrzehnte Generationen von Kindern geprägt hat. Bis heute gehört sie fest zum Gemeindeleben und schafft einen Ort, an dem Kinder Glauben mit Freude entdecken können.

Die „Alte Kirche“ wächst mit der Gemeinde

In den ersten Jahrzehnten traf sich die junge Gemeinde in der sogenannten „Alten Kirche“ oder Munahalle in Espelkamp. Dort fanden Gottesdienste, Kinderstunden und Bibelkreise statt. Durch den Zuzug mennonitischer Familien aus Südamerika in den 1960er Jahren und aus der ehemaligen Sowjetunion in den 1970er Jahren wuchs die Gemeinde stetig weiter. Deshalb wurde 1973 ein Anbau notwendig, um mehr Raum für die wachsende Gemeinschaft zu schaffen.

1958–1959

Bau des Mennoniten-Heims

Mit Unterstützung amerikanischer Mennoniten (CMC) begann 1958 der Bau des Mennoniten-Heims auf den Grundmauern der Baracke 55. Das Gebäude bot sowohl Versammlungsräume als auch Wohnräume für Mitarbeiter. Es wurde zu einem Zentrum des Glaubens und der Begegnung in Espelkamp. Kinderstunden, Bibelabende und Gemeinschaftsveranstaltungen prägten den Alltag. Die offizielle Einweihung 1959 markierte einen wichtigen Meilenstein im Aufbau der Gemeinde.

Gemeinde übernimmt das Mennoniten-Heim

Nach vielen Jahren gemeinsamer Arbeit übergab das CMC das Heim an die Espelkamper Gemeinde. Prediger Horst Neufeld zog mit seiner Familie in das Wohnhaus und übernahm die Leitung. Die Gemeinde verpflichtete sich, die Missionsarbeit fortzuführen und die Begegnungsarbeit im Ort weiterzuführen. Neben Gottesdiensten fanden weiterhin Bibelstunden, Feste und Jugendtreffen statt.

1978

Horst Neufeld

Nachfolgender Ältester der Mennoniten-Gemeinde Espelkamp

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2000

Wilfried Jotter

Pastor der Mennoniten-Gemeinde Espelkamp

2007–2009

Neubau des Gemeindezentrums

Das alte Mennoniten-Heim wurde nach über 50 Jahren abgerissen, um Platz für ein modernes Gemeindezentrum zu schaffen. Während der Bauzeit traf sich die Gemeinde in der Aula des Gymnasiums und später in den Räumen der FEBG. Die Bauphase erforderte viel Einsatz, Spenden und Zusammenhalt. 2009 konnte das neue Zentrum feierlich eröffnet werden.

Neue Gottesdienste

Moderne Musik, offene Atmosphäre und gemeinsamer Lobpreis prägten die Gottesdienste. Gleichzeitig wandelte sich auch das Gemeindeleben selbst – es wurde persönlicher, kreativer und alltagsnäher. Beamer, Bands und zeitgenössische Lieder ersetzten das traditionelle Gesangbuch.

2016

Gründung der Tochtergemeinde „Neues Leben“ Pr. Oldendorf

Das Wachstum der Gemeinde führte zu neuen Aufgaben und Visionen. 2016 wurde die Tochtergemeinde „Neues Leben“ in Pr. Oldendorf gegründet. Ziel war es, auch dort Menschen den Zugang zum Glauben zu ermöglichen. Die beiden Gemeinden stehen seitdem in enger Verbindung und unterstützen sich gegenseitig.

2022–2023

Des Ukraine-Projekt

Mit Beginn des Ukraine-Krieges richtete die Gemeinde in kurzer Zeit Wohnräume für Geflüchtete im Gemeindezentrum ein. Spenden, ehrenamtliche Hilfe und städtische Unterstützung machten das Projekt möglich. Am 20. April 2022 zogen die ersten Familien ein und wurden im Alltag begleitet. Nach einem Jahr endete das Projekt mit einem Dankfest voller bewegender Begegnungen.

Heute

Vielfalt mit gemeinsamem Fundament

Heute ist die Mennoniten-Gemeinde Espelkamp eine vielfältige Gemeinschaft aus unterschiedlichen Generationen, Herkunftsgeschichten und Lebenswegen. Menschen mit verschiedenen kulturellen Prägungen gestalten das Gemeindeleben gemeinsam. Was sie verbindet, ist der Glaube an Jesus Christus und der Wunsch, Glauben im Alltag zu leben. Gemeinschaft, gegenseitige Unterstützung und Hoffnung prägen die Gemeinde bis heute.

Die Mennoniten
und ihre Wurzeln

Unsere Gemeinde in Espelkamp ist Teil einer langen mennonitischen Tradition. Wenn du mehr über die Ursprünge und weltweite Geschichte der Mennoniten erfahren möchtest, besuche hier die Seite zur Geschichte der Mennoniten.